Lars Dreiucker *1983 Philosopher, Curator

 

Katja Lange-Müller


SPRECHSAAL INTERVIEWS

Katja Lange-Müller
29.09.2014



Katja Lange Müller (ZEIT Online)
Katja Lange-Müller



Sprechsaal Interviews

Lars Dreiucker lädt ein — GestalterInnen, AutorInnen und Lehrer; Müller, Trinker und Fischer; Theaterleute und das Straßenbild; Stubenhocker und Weltbürger, Kritiker die Nadeln streicheln; Multiplikatoren für Energien und Säfte, Handwerker und Arty-Farty. Wie sich diese widersprüchlichen Lebenswelten in der aktuellen Kulturszene Berlins vereinen lassen und ob es gar unerlässlich ist, sie berührt aber offen stehen zu lassen, ist Ausgangsfrage des Interviews. Die landläufige Interviewgeste fragt nach der Person. Eine moderne Form des Interviews kann sich mit dieser Einschränkung nicht zufrieden geben. Die Gesprächsreihe Sprechsaal-Interviews erhellt deshalb die Strukturen in denen Zeitgenossen leben und arbeiten. Verantwortlichkeiten und AkteurInnen sind schwer auszumachen – wer sind die Machthaber in fein verästelten, hochdifferenzierten sozialen Räumen? Inwieweit lassen sich verantwortbare Handlungen wirklich in Strukturen auf­lösen? Kurz: Jede Person kann, als dialogische Fotografie – ist sie gut belichtet – für einen Großteil der Gesellschaft stehen. Ein Gemüsehändler kann, genau wie eine Dramaturgin, im Bestfall bei einer ganzen Generation ein Denken gegen sogenannte Sachzwänge auslösen. Diese Sprechsaal-Interviews öffnen den Raum für eine Frage: Wohin können wir unsere eigenen Grenzen kollektiv verschieben?

 

Lars Dreiucker invites — enablers, authors and teachers; millers, drinkers and fishermen; theatre folk and the hoi polloi; couch potatoes and cosmopolitans, critics who push buttons, the human catalysts for energy and secretions; artisans and the incurably arty-farty. Centrifugal to the interviews will be matters relating to the question of how these conflicting worlds confluence in one globalized cultural mash-up. Whereas popular interviews seek to discover only the person itself, a modern technician cannot settle for such limitations. The Sprechsaal Interviews will reveal the structures in which our contemporaries live and work. An individual’s commitments and their specific background are, for the most part, difficult to map. But who are the powerful currents flowing through the tributaries of our diverse social spaces? And at which point does deliberate agency acquiesce to the confusing indeterminism of our social matrix? A dialogical photograph can represent a mainstream slice of any society. Your greengrocer can pick out the constraints fettering an entire generation just as accurately as the playwright. The Sprechsaal interviews will investigate the limits to which we can collectively push our own individual boundaries.