Lars Dreiucker *1983 Philosopher, Curator

 

Selbstkritik

Eröffnungsrede zur Ausstellung, 19:58 Uhr.  

Das einzige was die Revolution nicht hinweggefegt hat ist das Kochen, nur das jetzt die Zutaten fehlen. Es könnte sein das die Zutaten der Ostdeutschen Töpfe jetzt genauso schmecken wie die Westdeutschen, aber vielleicht bemerken nur die Ostdeutschen den Unterschied.

Ich danke Ronald Thoden für die Toleranz und Aufrechterhaltung der Möglichkeit einen solchen Laden hier zu führen. Wir lassen sehr viele Stimmen hier zu. Wir wollen viel hören. Feierlich und ganz informell. Die letzten fünf Jahre. Danke dafür. Und danke für mehr.       

Und hiermit feiern wir das. Und wir singen nicht Biermann, Brecht, Müller und Pannach weil wir die DDR wiederhaben wollen. Wir singen nicht immer noch alte Kampflieder wir singen wieder neue Kampflieder. Alle soweit ich das sehe, sehen auch eine neue Extreme Rechte aufziehen. Flüchtlingheime brennen und die Afd gewinnt. Die Ossis fühlen sich schon wieder betrogen. Doch leider ist der Neid gegen das Unbekannte und Neue nicht nur den Ossis vorbehalten. Sehr viele Menschen in unserem Land wollen gerade wieder einen Feind haben. Den sie nicht kennen und trotzdem verurteilen. Flüchtlinge werden in Deutschland aus einem anderen Geldtopf bezahlt als die Rente und Hatz IV. Flüchtlinge nehmen niemandem etwas weg. Deshalb können wir so vielen freiwilligen Helfen dankbar sein. Die keinen abstrakten Ekel gegen Schwächere entwicklen. Gegen Leute die sich von Schwächeren beleidigt fühlen richtet sich diese Austellung. Gegen dieses konservativ-schleimig selbstgefällige Untergangsgedusel richtet sich diese Ausstellung. Gegen preußisch_deutschen Untertanengeist. Und diese Ausstellung richtet sich an eine bessere Zukunft, die wir nicht nach schon vorgegebenen Bildern baun. Nö. Ich will nicht nur nicht dass die Kultur, Politik und Kunst der SBZ und DDR vergessen wird ich will auch nicht dass die Leute und die Widersprüche in denen sie gelebt haben und die sie fruchtbar für unsere Gegenwart gemacht haben vergessen werden. Nicht vergessen werden. Ich will ebenso dass wir eben die alten und die neuen Ermutiger ermutigen. Denn es gibt Kunst die ist an einen Raum gebunden, und der Raum ergibt sich ganz allein aus einem vagen Wunsch der Zukunft heißt. Eine Hoffnung oder Utopie die nie auf einen Nenner zu bringen ist, weil sie eben nicht kalkulierbar und zählbar ist. Meist ist es wohl so, dass, etwas was einfach ist  wohl auch schwer zu machen ist. Es gibt Kunst die ist nicht ideologisch verortbar sit obwohl sie sich deutlich einem Ort verpflichtet. Das kürzere Ende der Sonnenallee ist egal, romantik und naostalgie auch. Aber Qualität ist geil. Und das Verhältnis von Künsterlnnen zur Macht, Arbeitern zur Macht. Und dem Bild was die Gesellschaft von sich hat und was die Regierung von der Gesllschaft hat wurde in der Kunst der DDR einfach sehr gut und vielleicht zeitlos Regimeüberdauernd verhandelt. 

Damit das alles in den nächsten Monaten aufs Tabelau kommen konnte danke ich Valerie Tomasov, Grischa Meyer, der wilden und großartigen Frida von Wild, Norbert Bunge und dem genauen und wachen Christoph Meyer. Curt Trepte und Eva Kelmlein. Ich danke Arno Fischer und Sybille Bergemann. Realismus und Utopie. In der Fotografie. Wir werden den nächsten Monaten viele Gespräche erst und naiv, klug und neugierig führen. So hoffe ich. Wer zeigen eine Filmreihe zum Sovjetischen Scince Fiction und eine Hörspiel Reihe zur Mystik iniziiert von Roland Steckel. Jetzt Hören wir uns Kara Schröder und gleich danach Jonas Maron. Lassen Sie uns üben.     

 

Das einzige was die Revolution nicht hinweggefegt hat ist das Kochen, nur das jetzt die Zutaten fehlen. Es könnte sein das die Zutaten der Ostdeutschen Töpfe jetzt genauso schmecken wie die Westdeutschen, aber vielleicht bemerken nur die Ostdeutschen den Unterschied.

 

Maxie Wander, Brigitte Reimann, Volker Braun, Franz Fühmann, Bernd Kleinow, Florian und Robert. Andreas Micha oder Frank. Karussell und Renft, Lotte und Walter, Paul und Paula, Karla und Egon. Petersilie und Manfred, Kopf und Füße, JP und FDJ. Ganz kurz SPD und KPD, Korn und Whiskey. Zentrum und Warenhaus. 110 und Günter Fischer. Thomas, Marion, Klaus,  Gerda, Horst und Kathi. Sabine und Benno. Die Revolution und die Wende. Die Wand und der Wall. Eva Maria, Nina, und der Wolf. Heiner und Inge, Margarita und Martin. Hamlet und Maschine. Christa und Gerhard. DT, Gorki, BAT, BE, Senftenberg, Anklam, Erfurt, Weimar und Rostock. Distelmann und Demmler. Thalheim und Gaus. Ständige Vertretung und Möwe. Kuhle Wampe und Marie Farrar. Unrecht und Diktatur. Arbeiter und Bauern. Carow und Plentzdorf. Dieter und Erwin. Um die Ecke Berlin. Konrad, Markus und Friedrich Wolf. Solo Sunny und Coming Out. Gundermann und Danz. Planung und Leitung. Fröhlichsein und singen. Halstuch und Verrat. Eisenhütten und Wismut. Koepp und Heise. Heise und Bahro. Arno und Frieda, Lily und Sybille. Roger und Thea. Grischa und Rita. Jonas und Monika. Harich und May. Anmut und Mühe. Spreewald und Erzgebirge. Real und Formal. Neues und Deutschland. Bloch und Meyer. Hier und da. Drüber wie hüben. Jazz und Ruth. Mut und Maßnahme. Plan und Erfüllung. Reich und Bahn. (Von Goethe, von hier, weißer Hirsch und Widerspruch.) Kritik und Selbstkritik. 

 

 

...also Heiner Müller.