Lars Dreiucker *1983 Philosopher, Curator

 

Erik Schiemann



Der Tag kommt. Fotografien von Erik Schiemann. Ausstellung vom 11. Januar 2013 bis zum 10. März 2013 im SPRECHSAAL, Berlin-Mitte, Marienstraße 26, 10117 Berlin.

Der SPRECHSAAL in Berlin-Mitte will dem Erinnern und den Fotografien von Erik Schiemann einen Raum geben. Schiemann, Jahrgang 1963, war Meisterschüler an der HGB Leipzig bei Joachim Brohm und Schüler von Arno Fischer.
Am 27. Januar 2013 ist die Befreiung von Auschwitz 68 Jahre her. Wie lebt man weiter, wenn man Auschwitz überlebt hat, fragte Primo Levi in seinem Buch Die Untergegangenen und die Geretteten, und was wird aus dem Erinnern, das sich verändert mit den Jahren? Was wird aus den Traumatisierten? Der Begriff Trauma und natürlich auch die Trauer hat sich seit 1945 verändert. Was wird aus dem Erinnern, das einen nicht loslässt ? Die Toten sind die Zeugen, doch wie ist dann Erinnern überhaupt möglich?
Erik Schiemann leistet mit seiner direkten Fotografie moderne Erinnerungsarbeit: schamvoll, vielschichtig und selbstkritisch. Ausgestellt wird eine Auswahl von circa 30 Bildern aus einer Serie von 60 Schwarzweißfotografien; Portraits, Gedanken und Landschaften der letzten 7 Jahre. Ebenso werden Teile von Schiemanns Arbeit 'c'était son monde' von 1995 zu sehen sein.
Mit dieser Ausstellung im SPRECHSAAL widmet sich Erik Schiemann den Menschen, den Spuren, und den Atmosphären an Orten wie Auschwitz, Ravensbrück, Buchenwald und Belzec. Und tatsächlich zeigen uns seine Fotografien das Antlitz ehemaliger Insassen und junger Menschen. Er fotografiert beschädigte Leben und verwundete Landschaften. Eine Mischung aus Neigung zum Menschlichen und Genauigkeit ist in den Bildern von Erik Schiemann deutlich zu erkennen.
Und eben diese Mischung soll es sein, die ab dem 11. Januar 2013 im SPRECHSAAL ihre Verwirklichung findet. Das thematische Begleitprogramm umfasst sowohl Vorträge, Hörspiele, Diskussionsrunden als auch Interviews mit HistorikerInnen und transdisziplinären WissenschaftlerInnen. Wir lesen Ruth Klüger, Primo Levi, Elie Wiesel, Jorge Semprun, Adolf Gawalewicz, Robert Antelme, Tadeusz Borowski, ebenso behandeln wir Höss, Eichmann, Gerstein, und wir studieren Raul Hilberg, Saul Friedländer, Danuta Czech. Wir hören Fritz Bauer, Filip Müller, Jan Karski, Theodor W. Adorno und Claude Lanzmann. 
Sie sind eingeladen, im SPRECHSAAL lebendig mit-zudenken.



++ Bilder (ersten 3 mit text)

http://www.erikschiemann.de/archiv/der-tag-kommt/#/0